Blog-Layout

Geschichte zu Imbolc

Bara O‘Hazel • 1. Februar 2025

Schneeglöckchen


Schläfrig wickele ich mein Tuch fester um die Schultern und trete hinaus in den Hof. Mein Atem hängt wie Nebel vor meinem Gesicht, und der Schnee knirscht unter meinen Stiefeln. Die Kälte hält das Land weiterhin fest im Griff. Doch heute Morgen ist etwas anders …
Es ist das Licht! 
In mir jubelte es: Die Tage werden länger. Dankbar für jeden zusätzlichen Augenblick Helligkeit blinzele ich dem Sonnenaufgang entgegen.

Und noch etwas hat sich verändert. Da, auf der Wiese unter dem Haselbusch, sehe ich sie: Die ersten Schneeglöckchen. Kleine, mutige Kämpferinnen, die sich erst durch die harte Erde und dann durch die Schneedecke gemüht haben. Um die zarten Blüten genauer betrachten zu können, knie ich nieder. 
„Schönheit inmitten des Winters,“ entfährt es mir leise. „Ihr seid meine Vorbilder für die letzten, verbleibenden Wintertage.“

Im Stall begrüßen mich die Schafe wie jeden Morgen mit einem leisen Blöken. Erfreut sehe ich, dass eines der Mutterschafe in der Nacht gelammt hat. Das Lämmchen liegt sicher im Stroh neben seiner Mutter. Als ich näherkomme, stehen beide auf. Die Lämmchenbeine sind noch wackelig, doch sein Blick ist schon voller Lebenskraft. 
Ich lächele. Ein gutes Zeichen. Dieses erste Lamm des Jahres, stark und lebensfroh, verheißt ein gutes, fruchtbares Jahr. 
„Du bist mein Schneeglöckchen,“ flüstere ich ihm zu und streichele es sanft über den wollweichen Kopf. 

Wieder drinnen wartet der Frühjahrsputz. Ich trage alte, verbrauchte Dinge aus dem Haus, schrubbe den Ruß aus dem Kamin, fege die Spinnweben aus den Ecken. Mit jedem Wisch und jedem Eimer Wasser vertreibe ich die Dunkelheit aus unseren Räumen.

Am Abend feiern wir Imbolc - Lichtmess. Wir begrüßen die Rückkehr des Lichts. Es gibt Brot und Milch – Speisen, um den Segen der Göttin Brigid zu ehren. Als die Sonne hinter dem Horizont versinkt, entzünde ich die erste Kerze. Ihr Licht erfüllt den Raum, warm und golden. Ich schreibe meine Hoffnungen für das kommende Jahr auf, übergebe sie dem Herdfeuer und bitte Brigid, uns Kraft zu schenken.

Zuversichtlich denke ich daran, was vor uns liegt: Die Saat, die wir bald ausbringen werden, die Felder, die wieder grün werden - das Leben, das zurückkehren wird.

Imbolc ist ein Übergang – von der Dunkelheit zum Licht, vom Stillstand zur Bewegung, vom Winter zum Frühling. Und ich bin Teil dieses großen Wandels. 

„Danke, Licht, dass du zurückgekehrt bist und uns Hoffnung schenkst.“

von Elisabeth Stock 22. März 2025
Es war einmal in einem weit entfernten Land, wo Tag und Nacht lebendig waren und ihre eigenen Persönlichkeiten hatten. Der Tag war ein fröhlicher, strahlender Charakter, der mit seinen warmen Sonnenstrahlen die Welt erhellte. Er liebte es, die Blumen zum Blühen zu bringen und die Vögel zum Singen zu animieren. Die Nacht hingegen war geheimnisvoll und ruhig, mit einem sanften, silbernen Licht, das die Sterne zum Funkeln brachte. Sie liebte es, die Welt in einen sanften Schlaf zu wiegen und die Träume der Menschen zu bewahren. Obwohl Tag und Nacht in Harmonie lebten, gab es vor der Tag- und Nachtgleiche einen kleinen Konflikt zwischen ihnen. Der Tag wollte immer länger bleiben, um die Welt zu erhellen, während die Nacht sich wünschte, dass die Menschen auch die Schönheit der Dunkelheit und der Sterne schätzten. So kam es zu einem Wettstreit, wer länger bleiben durfte. Eines Tages, als der Himmel in leuchtenden Farben erstrahlte und die Sonne sich auf den Horizont zubewegte, bemerkte der Tag, dass die Menschen traurig waren. Sie schauten sehnsüchtig in den Himmel und wünschten sich, dass die Nacht nicht so schnell käme. Der Tag fühlte sich unwohl. „Warum sind sie so traurig?“, fragte er sich. In der gleichen Nacht, als die Sterne funkelten und der Mond hell leuchtete, bemerkte die Nacht, dass die Menschen in ihren Betten lagen und von den Abenteuern des Tages träumten. Doch sie schienen auch etwas zu vermissen – die Farben und die Wärme des Tages. Die Nacht seufzte und dachte: „Vielleicht sind sie nicht nur traurig über mich, sondern auch über das, was ich nicht bin.“ Am nächsten Morgen, als die Sonne aufging, hatte der Tag eine Idee. Er beschloss, der Nacht einen Besuch abzustatten, um mit ihr zu sprechen. „Nacht, ich habe bemerkt, dass die Menschen dich nicht immer schätzen. Sie vermissen die Farben und das Licht, wenn du kommst“, sagte der Tag freundlich. Die Nacht lächelte sanft. „Ich habe das auch bemerkt, Tag. Aber ich bringe den Menschen die Ruhe und die Träume. Vielleicht sollten wir gemeinsam etwas tun, um ihnen zu zeigen, dass wir beide wichtig sind.“ So beschlossen Tag und Nacht, sich die Hand zu geben und eine besondere Vereinbarung zu treffen. Sie würden einen Übergang schaffen, in dem die Farben des Tages sanft in die Dunkelheit der Nacht übergingen. Der Tag würde seine letzten Strahlen in einem spektakulären Sonnenuntergang zeigen, während Nacht mit einem sanften Dämmerlicht einhüllte, was die Sterne zum Funkeln brachte. Als der nächste Abend kam, geschah etwas Wundervolles. Der Himmel erstrahlte in leuchtenden Rot-, Orange- und Violetttönen, während die Sonne langsam unterging. Die Menschen traten aus ihren Häusern und schauten fasziniert zu. Sie fühlten sich glücklich und geborgen, als die Nacht sanft einbrach und die ersten Sterne am Himmel erschienen. Von diesem Tag an gaben sich Tag und Nacht immer wieder die Hand. Sie schufen wunderschöne Übergänge, die die Menschen daran erinnerten, dass sowohl das Licht des Tages als auch die Stille der Nacht ihre eigene Schönheit hatten. Die Menschen lernten, die Farben des Sonnenuntergangs und die funkelnden Sterne der Nacht zu schätzen. Auch die Göttin Ostara freute sich sehr, dass sich Tag und Nacht die Hand gaben, denn sie konnte nun mit ihrem Wagen über den Morgenhimmel fahren und die Sonne in den Tag bringen. Und so lebten Tag und Nacht in Harmonie, und die Welt erblühte in einem neuen Licht – einem Licht, das die Herzen der Menschen erfüllte und sie lehrte, dass es in der Verbindung von Tag und Nacht eine ganz besondere Magie gibt.
von Wickies Welt 19. März 2025
Die Bewohner des kleinen Dorfes Cairnwall waren alle geschäftig auf den Beinen. Der Frühling kehrte endlich zurück. Nach den langen, dunklen Tagen waren die ersten Sonnenstrahlen eine Wohltat. Auch wenn der Winter sich noch nicht geschlagen gab und immer wieder kalten Wind über die noch kahlen Felder rund um das Dorf blies, merkte man, dass die Natur erwachte. Branwen, die Druidin des Dorfes, begann mit den Vorbereitungen für Alban Eilir, die Frühlingstag - und Nachtgleiche. Es ist die Zeit der perfekten Balance von Licht und Dunkelheit. Seit jeher feiern die Menschen den Beginn von Wachstum und Erneuerung. Die Erde wandte sich wieder dem Licht der Sonne zu und die Tage wurden länger. Die Männer des Dorfes hatten bereits Holz für ein großes Feuer herangeschafft, das am Morgen entzündet werden sollte. Branwen legte noch getrocknete Kräuter auf den Scheiterhaufen, um das Feuer zu weihen. Am Vorabend des Rituals zog sich Branwen in den nahen Wald zurück, um sich vorzubereiten. In dicke Felle gehüllt, saß sie an ihrem Lieblingsplatz und dachte über ihre innere Balance und ihre Wünsche für das kommende Jahr nach. Noch in der Dunkelheit machte sie sich auf den Weg zurück in das Dorf. Die Hütten waren von Raureif überzogen. „Der Winter war noch nicht ganz verschwunden und es wird bestimmt noch einige paar Tage geben, wo er nochmal die Oberhand gewinnt.“ dachte Branwen, während sie den Blick über das stille Dorf schweifen lies. Aus ihrer Hütte holte sie ihre Trommel, um die Dorfbewohner aufzuwecken und zum Ritualplatz zu rufen. Als alle versammelt waren, schob sich im Osten die Sonne über die Hügel. Branwen entzündete das Feuer, wandte sich gen Osten zu und sprach in die Stille: „Wir begrüßen dich, Licht der Erde. Mit dir sprießen wieder die Pflanzen, die Luft erfüllt sich mit Vogelgesang und die Tiere erwachen aus dem Winterschlaf. Die Harmonie von Tag und Nacht soll sich auch in uns widerspiegeln.“ Sie begann einen rituellen Gesang, in den die Dorfbewohner einstimmten. Während des allgemeinen Gesangs ging Branwen im Kreis umher und verteilte Samen. Mit einer Handbewegung signalisierte sie den Bewohnern das Singen langsam ausklingen zulassen. Dann sagte sie: „Legt diese Samen zusammen mit euren Wünschen und Hoffnungen für das kommende Jahr in die Erde. So wachsen daraus nicht nur Pflanzen, sondern auch eure Träume.“ Nach Beendigung des Rituales fanden sich alle im Versammlungshaus ein. Dort wurde gemeinsam gegessen, getrunken und gefeiert. Die Kinder hatten zur Vorbereitung Eier in den verschiedensten Farben bemalt und verschenken sie. Branwen hatte ihnen beigebracht, wofür die Farben standen: Rot für das Leben und Gelb für das Licht. Einige Eier wurden weiß gelassen, sie standen für die Reinheit des Neubeginns. So endete Alban Eilir im dem Dorf Cairnwall: ein Fest der Fruchtbarkeit, des Lichts und des Neubeginns. Es erinnerte alle daran, dass nach jedem Winter ein Frühling kommt. Wickies Welt
von Birdrider 20. Dezember 2024
Es herrschte völlige Dunkelheit. Die Schwestern atmeten schwer, sie fühlten die Röte auf ihren Wangen. Auch nach so unendlich vielen Jahren war das immer noch ein ganz besonderer Moment. Ehrfurcht erfasste sie auch nach so unzählbaren Malen jedes Mal von Neuem. Das Leuchten war immer schwächer geworden, es hatte zu flackern begonnen und dann war der Moment gekommen. Ein kurzes Scharren der Scherenblätter und im geschäftigen Treiben der Höhle, in der sie saßen, hatte sich ein Raum der absoluten Stille gebildet, eine Insel des Friedens. Die beiden betrachteten liebevoll das letzte Glimmen. Das gehörte dazu. Es gab einen festen Ablauf in dem, was sie taten und der wurde strikt eingehalten. Sie erhoben sich von ihren Plätzen und traten aus der hohlen Eibe hinaus in die Dunkelheit der sternlosen Nacht. Es war die Gelegenheit, über ihr vollbrachtes Werk nachzusinnen, bevor sie wieder an die Arbeit gingen. So viele Geschichten waren erzählt worden, heilsame und herausfordernde. Sorgfältig hatten sie sich um ihr Werk gekümmert. Die Zuteilerin hatte mit größter Sorgfalt den Faden gleichmäßig zu einem Knäuel aufgewickelt. Das war ihre Aufgabe. Das und ihre dritte Schwester zu rufen, wenn sie spürte, dass es Zeit war. Darin bestand ihre Gabe. Sie fühlte es, wenn ein Faden lang genug gesponnen war und es Zeit war, das Knäuel zu beenden. Ihre Schwester, die Spinnerin, verstand es vortrefflich, die kunstvollsten Garne zu spinnen. Die Fäden konnten stark, stabil und belastbar sein, aber auch zart, fein und fragil. Die Besonderheit ihrer Fäden lag darin, deren Beschaffenheit abzuwechseln. Wenn der Faden einmal etwas stärker oder robuster war, gefiel es der Spinnerin oft, darauf eine Weile einen zarteren und dünneren Abschnitt zu spinnen. Nur selten spann sie einen gleichmäßig dünnen oder robusten Faden. Sobald sie damit begann zu spinnen, begann auch der entstehende Faden, eine feine pulsierende Helligkeit auszustrahlen. Sobald die Zuteilerin die Fertigstellung des Knäuels erkannt hatte, rief sie die dritte Schwester dazu. Die dritte Schwester, die Unabwendbare, brachte, wenn sie gerufen wurde, immer ihre alte große Schere mit, mit der sie den fertigen Faden abschnitt. Manchmal sah sie einen etwas wehmütigen Ausdruck in den Augen ihrer Schwestern, vor allem die Spinnerin schien manchmal das Gefühl zu haben, ihre Arbeit noch nicht beendet zu haben. Aber es gab einen festen Ablauf und der besagte, dass der Faden durchtrennt würde, sobald die Zuteilerin ihn für lang genug befunden hatte. Die Unabwendbare verstand die virtuosen Formen der verschiedensten Gespinste ihrer Schwester nicht, sie sah nur das vollendete Knäuel, das entstand, nachdem sie ihre Arbeit getan hatte. Der Ablauf besagte, dass nach dem Vollenden eines Knäuels Spinnerin und Zuteilerin vor die Höhle treten sollten, um ihren Geist zu reinigen und zu klären. Auf dem Weg zum Höhlenausgang legte die Zuteilerin das fertige Knäuel behutsam in den dafür vorgesehenen Korb. Es hieß, dass die fertigen Garne einer mächtigen und wissenden Frau gebracht wurden, die seit dem Anbeginn der Zeiten aus diesen Fäden ein kunstvolles Netz wob. Es hieß auch, dass sie verschiedene Knäuel derartig miteinander verarbeitete, dass es aussah, als würden sie miteinander tanzen, manchmal wild und manchmal ruhig und innig. Sie schien auch die unterschiedliche Beschaffenheit der einzelnen Fäden zu schätzen wissen und dachte sich in den immer wiederkehrenden Runden des Netzes neue und vielfältige Muster aus, die sie erschuf. Ihr Name war lange schon vergessen, obgleich ihr Netz, das sie kreisförmig webte, weithin berühmt war. Spinnerin und Zuteilerin traten also aus der Höhle. Sie passierten die beiden Holunderbüsche, die den Eingang flankierten. Es war Nacht und kein Stern stand am Himmel. Die Dunkelheit dauerte nun schon auffallend lange. Alles war in einem wiederkehrenden Rhythmus eingebunden, das Spinnen, das Bemessen und das Durchtrennen, ebenso das Verweben der Garne oder das Atemschöpfen vor dem nächsten Faden. Und auch ein Kommen und Gehen von Hell und Dunkel gehörte dazu. Nun hatte die Spinnerin das Gefühl, das der neue Tag schon lange auf sich warten ließ... Die Stille und die undurchdringliche Dunkelheit hüllten sie ein und beide wurden sie ruhig und ihre Gedanken, welche es auch immer waren, zogen dahin. Wie auf ein geheimes Zeichen wandten sie sich um und traten wieder in die Eibenhöhle ein. Sie bahnten sich ihren Weg zwischen den unzähligen anderen Schwestern, ihren Spinnrädern und Körben mit fertigen Knäueln. Sie waren zahllose Schwestern, denn tausende und abertausende Fäden wollten gleichzeitig gesponnen werden. Die leicht vor sich hin pulsierenden Fäden erleuchteten die Höhle mit einem schwachen, warmen Licht. Sie sahen ihre Schwester, die Unabwendbare, wie sie gerade ihre Schere wegsteckte und sich von einem Spinnrad abwandte. Alles hatte einen festen, wiederkehrenden Ablauf. Die Schwestern nahmen ihre Plätze ein und die Spinnerin machte sich gerade daran, einen neuen Faden zu beginnen, als sie eine Berührung an ihrem Fuß spürte. Ein Eichenblatt war vom Wind in die Höhle geweht worden. So etwas geschah sonst nie. Versonnen blickte sie zum Eingang der Höhle und ihre Augen weiteten sich. Am Horizont war ein Schimmern zu sehen, das schnell an Kraft zunahm. Die Zuteilerin folgte ihrem Blick und auch all die anderen Schwestern hielten in ihrem Tun inne und sahen den neuen Morgen dämmern. Ein erster Sonnenstrahl kletterte über den Horizont und fand seinen Weg genau in die hohle Eibe. Er fiel auf den neuen Faden in der Hand der Spinnerin und ein strahlendes, majestätisches Leuchten durchdrang den Faden, heller als alle anderen Fäden in der Höhle. Während Spinnerin und Zuteilerin noch ehrfürchtig den Faden betrachteten, begann rings um sie herum wieder das stetige Treiben. Geschichten wurden erzählt, Fäden gesponnen und aufgewickelt. Während sie den neuen Faden an ihre Schwester weiterreichte, raunte sie mit ihrer alten, rostig klingenden Stimme: „Das Licht ist neu geboren“. von Birdrider
von Birgit P. 29. Oktober 2024
Benommen öffnete er die Augen und fühlte wie die Blutkruste aufbrach und sich wieder warmes Blut langsam an seine Schläfe hinab schlängelte. Wo war er? Sein Blick schweifte nach links und rechts und nur verschwommen nahm er andere Körper in seiner Nähe wahr. Sie alle lagen auf dem Boden, sowie er und tränkten mit ihrem warmen Blut die Erde. Er versuchte sich langsam aufzurichten und stellte zu seiner Überraschung fest, dass es einigermaßen ging. Mit einer Hand wischte er sich das Blut aus den Augen, welches nun in seine Auge rann. Sein Blick schweifte weiter über das Feld und er sah überall die Leichen seiner Freunde liegen. Trauer erfasste ihn und zu dem Blut mischten sich ein paar Tränen, die über seine Wangen rannen. Nun erinnerte er sich auch wieder an die Schlacht. Sie hatten Aufstellung genommen, um sich den Horden der Finsternis entgegenzustellen. Der Anblick der Kreaturen in den Reihen ihrer Gegner ließ ihn beim Gedanken daran wieder erschauern. Das was dort ihnen gegenüberstand über traf bei weitem das, was er sich hätte ausdenken können. Er war der Meinung, dass nicht mal das krankeste Hirn sich etwas so grässliches hätte ersinnen können. Mutierte Menschen mit Vogelkrallen als Hände, oder mit Vogelköpfen auf den Schultern. Kreaturen mit riesigen Krallen oder mit langen Schwänzen, die in einer Art von Axt endeten. Die Waffen hatten Widerhaken wohin man blickte und waren schartig, rostig und zumeist schon blutüberströmt gewesen. Nach dem Aufruf der Befehlshaber waren sie aufeinander zugestürmt und schnell bohrten sich Äxte in Schultern und Schwerter trennten Köpfe ab. Überall spritze Blut und keiner konnte bald noch Freund von Feind unterscheiden. Er focht um sein Leben und wusste nicht einmal ob er noch seine Freunde neben sich hatte oder schon im nächsten Augenblick ein Gegner neben ihm sein Schwert in seine Eingeweide rammen würde. Sein Blick wurde verschwommen und er schlug nur noch wild um sich. Überall waren Gegner, sie schienen förmlich aus dem Boden zu wachsen und er schlug sie ein ums andere Mal nieder. Einige seiner Gegner waren so verschlagen, dass sie sogar mit einem Bitten in den Augen auf ihn zukamen, doch er ließ sich nicht täuschen und stach ihnen sogleich diese falschen Augen aus. An die letzten Stunden in der Schlacht konnte er sich kaum noch erinnern. Er kämpfte bis zum Sonnenaufgang und nun stand die Sonne hoch am Himmel. Welcher Tag heute war, er wusste es nicht. Hatte er nur ein paar Stunden bewusstlos gelegen oder Tage? Wie waren all seine Freunde umgekommen, er wusste es nicht. Um ihn herum sah er nur die Körper seiner Freunde liegen, manche stöhnten noch leise, doch die meisten waren schon kalt und tot. Wo waren die ganzen Leiber seiner Gegner, die er niedergemetzelt hatte? Neben ihm schlug ein Soldat die Augen auf, doch als er ihn sah, bekam er einen schreckerfüllten Blick, stieß einen so grauenvollen Schrei voller Angst aus und verstarb im selben Augenblick. Er schaute sich um, hatte jemand diesen Moment noch miterlebt? Nein, anscheinend nicht. Doch was hatte diesen Mann so voller Angst werden lassen? Er war doch nur ein einfacher Mann, der gerade aufgewacht aus einer Schlacht auf einen blutdurchtränkten Boden saß. Er versuchte behutsam aufzustehen und es gelang recht gut. Sein Schwert fand er nicht weit von sich und nahm es, um sich darauf abzustützen als er langsam auf die Beine kam. Wieder schaute auf die blutigen Leiber ringsum ihn her und wunderte sich erneut, wie wenige Gegner hier in ihrem Blut lagen. Er hatte doch derer so viele getötet, wie konnten sie sich so weit weggeschleppt haben, dass sie nicht mehr zu sehen waren? Auf sein Schwert gestützt, schleppte er sich einige Meter weiter und fand seinen besten Freund am Boden liegen. Eine riesige klaffende Wunde an seiner Seite tränkte den Boden mit rotem Naß. Er kniete zu ihm nieder und schaute ihn traurig an. Nicht einmal er hatte überlebt, sein Freund seit seiner Jugend. Als er die Hand seines Freundes nahm, spürte er noch Wärme in ihr und drückt sie kurz. Erstaunt sah er, wie sein Freund die Augen langsam öffnete und ihn mit Angst in den Augen ansah. Warum bloß? Ein Zittern in den Lippen zeigte ihm, dass sein Freund etwas sagen wollte und er kam mit seinem Ohr dicht an dessen Mund. Ein leises Röcheln entkam seinem Mund. „Wieso hast Du das getan?“ Er schreckte zurück und schaut ihn mit Panik in den Augen an, dann wurde sein Blick leer. Langsam setzte er sich zurück. Seine Hand fand an seinem Gürtel das kleine Messer, was er immer zum schneiden seines Brotes benutzte. Behutsam nestelte er es heraus, nahm es fest in seine Hand und führte es nach vorn. Ein verschlagenes Lächeln überflog sein Gesicht aus dem die Augen seelenlos auf seinen Freund blickten. Dieser wand sich und versuchte zu schreien. Mit den letzten Kräften versuchte er von seinem seelenlosen Freund wegzukommen, doch zuviel Blut hatte er schon verloren. Mit einem Ruck fuhr das Messer über seine Kehle und ein letztes Röcheln verkündete seinen Tod. Benommen öffnete er die Augen und fühlte wie die Blutkruste aufbrach und sich wieder warmes Blut langsam an seine Schläfe hinab schlängelte. Wo war er? Sein Blick schweifte nach links und rechts und nur verschwommen nahm er andere Körper in seiner Nähe wahr. Sie alle lagen auf dem Boden, sowie er und tränkten mit ihrem warmen Blut die Erde. Er versuchte sich langsam aufzurichten und stellte zu seiner Überraschung fest, dass es einigermaßen ging. Mit einer Hand wischte er sich das Blut aus den Augen, welches nun in seine Augen rann. Sein Blick schweifte weiter über das Feld und er sah dicht neben sich die Leiche seines besten Freundes liegen. Mit durchschnittener Kehle lag er dort und würde nie wieder bei ihm sein. Trauer erfasste ihn und zu dem Blut mischten sich ein paar Tränen, die über seine Wangen rannen. Birgit P.
von Eimear Burke 29. Oktober 2024
Eines Nachts trank Seán Sprionlaithe (auf Englisch: Stingy Jack), ein Mann, der für seine Gemeinheit und Bosheit bekannt war, in einer Taverne, als ein geheimnisvoller Mann in dunkler Kleidung hereinkam. Jack lud den Mann ein, einen Trank mit ihm zu teilen. Als Jack erfuhr, dass es sich bei dem Fremden um den Teufel handelte, war ihm sofort klar, dass dieser ihn holen wollte. Er musste schnell handeln, denn er war noch nicht bereit, zu sterben und in der Hölle zu schmachten. Als ihm die Rechnung für die Getränke präsentiert wurde, überzeugte Jack, der auch ein sehr kluger und verschlagener Mann war, den Teufel, sich in eine Münze zu verwandeln, damit Jack damit seine Rechnung bezahlen konnte. Der Teufel stimmte unter der Bedingung zu, dass er im Gegenzug Jacks Seele erhalten würde. Die beiden schlossen einen Vertrag und reichten sich die Hand. Aber anstatt die Münze zu benutzen, um seine Rechnung zu bezahlen, nahm Jack, der ein schlauer Gauner war, sie mit und ritzte die Form des Kreuzes in die Münze. So konnte der Teufel nicht mehr zurückwechseln. Der Teufel flehte und flehte Jack an, ihn gehen zu lassen, und schließlich willigte Jack ein, aber nur, wenn der Teufel versprach, die Seele, die Jack ihm schuldete, nie wieder einzusammeln. Der Teufel willigte widerwillig ein, und so kratzte Jack das Kreuz von der Münze und befreite den Teufel aus seiner Tasche. Der Legende nach war dies jedoch nicht das einzige Mal, dass Jack und der Teufel aufeinandertrafen. Ein paar Jahre später saß derselbe Stingy Jack in einem Obstgarten, als er erneut dem Teufel begegnete. Jack, der schlaue Trickster, der er war, überredete den Teufel, auf einen Apfelbaum zu klettern und Jack etwas zu essen zu geben. Der Teufel willigte ein, wiederum unter der Bedingung, dass Jack die Äpfel mit seiner Seele bezahlen würde. Aber als der Teufel im Baum war, schnitzte Jack, der ein schlauer Kerl war, ein Kreuz in den Stamm und hielt den Teufel gefangen. Jack und der Teufel einigten sich darauf, dass Jack ihn gehen lassen würde, wenn er zustimmte, Jack niemals in die Hölle zu bringen. Leider funktionierte diese Abmachung nicht, wie Jack es geplant hatte. Als Jack schließlich starb, kam seine Seele in den Himmel. Gott weigerte sich jedoch, ihn wegen seiner Gemeinheit und seiner schlechten Taten hineinzulassen. Daraufhin begab sich Jack in die Hölle und suchte einen Ort, an dem seine Seele ruhen konnte. Doch der Teufel, der zu seinem Wort steht, lehnt auch Jack ab. Gefangen zwischen Himmel und Hölle, war Jacks Geist gezwungen, in der Welt der Lebenden umherzuwandern. Der Teufel hatte jedoch Mitleid mit Jack und bot ihm eine brennende Kohle an, um ihm den Weg zu leuchten. Da sie zu heiß war, um sie in der Hand zu halten, schnitt Jack eine Rübe aus und legte die brennende Kohle hinein. Wann immer die Menschen die Lichter aus den Sümpfen aufsteigen sahen, schrieben sie sie Jack und seiner Laterne zu, wie er durch die Welt wandert und einen Platz zum Ausruhen sucht. Auf Irisch sind sie als Seán na Gealaí oder Tine Ghealáin bekannt , auf Englisch Will O' the Wisps. Heute, am Oíche Shamhna, (Samhain Abend) schnitzen wir Rüben aus und stellen Kerzen hinein, um den Weg für die Seelen zu erleuchten, die in der Welt umherwandern und versuchen, das Tor zur Anderswelt zu finden. Eimear Burke übersetzt von deepl überarbeitet von Anna Oakflower
von Anna Oakflower 20. September 2024
Oh ja! Der Kuchen war super geworden, nicht einfach gut, nein super! Es hatte sich gelohnt, den weiten Weg in den Obstgarten beim alten Schloss zu gehen. Nur dort gab es diesen speziellen Pflaumenbaum. Meistens, wenn Frau Pflaumensucherin sich auf den Weg machte, um dort vorbeizuschauen, war diese spezielle Sorte Pflaumen noch nicht reif oder aber schon geerntet und gegessen. Aber in seltenen Jahren hatte sie Glück. Dieses Jahr war eines dieser Jahre, in denen sie mit vollen Händen nach Hause kam, ihr besonderes Kuchenrezept herauskramte, das was reserviert war für die besonderen Jahre und loslegte. Frau Pflaumensucherin war eine gesittete Dachsfrau im besten Alter, wie man das so schön nannte, wenn der zweite Frühling an einem vorbeizog. Sie wohnte im Wald mit der alten Eiche, unter der jedes Jahr zu Mittsommer ein Riesenfest mit allen Waldbewohnern gefeiert wurde. Das Fest war schon lange vorbei und der Herbst stand vor der Tür. Es war Zeit die besten und leckersten Kuchen zu backen. Einige würden sie wohl langweilig nennen, sie hütete Kuchenrezepte - zuggegeben die besten weit und breit - aber Abenteuer erlebte sie nicht. Das überliess sie den anderen Dachsen. Abenteuer waren, in ihren Augen, sehr gefährlich. Aber dieser Herbst sollte ihr ein besonderes Abenteuer bescheren. Frau Pflaumensucherin hatte auf dem Rückweg vom alten Schloß im Wald etwas überhört. Und das bereitete ihr Kopfzerbrechen. Also machte sie sich auf den Weg zu ihrer Nichte Meldis, diese war mit Arävin zur Schule gegangen und sie wusste alles über Abenteuer und die Welt ausserhalb des großen Waldes. Sie brachte von ihrem Kuchen mit und hoffte von dem leckeren Tee bei Meldis zu bekommen. Natürlich war nicht nur Meldis da, immerhin war es Nachmittag und jeder traf sich auf einen Tee bei Familie Dachs. Geschickt fragte sie die anderen aus, ob sie vielleicht auch Gerüchte gehört hätten, dass die alte Eiche gefällt werden solle und von wem? Und viel wichtiger, wer könne das verhindern? Aber alle waren empört, konnten sich nicht vorstellen, dass ihre alte Eiche gefällt werden sollte, und taten ihre Fragen als Schwarzmalerei ab. Sie seufzte innerlich. Sie hatte gehofft, dass jemand davon wusste. Also änderte sie ihre Taktik und fragte nach dem Verkäufer der magischen Fläschchen. Arävin, der große Abenteurer hatte von ihm erzählt und was seine magischen Gebräue alles konnten. So eine Flasche bräuchte sie, dachte sie. Aber keiner konnte sich an die Geschichten über einen magischen Händler erinnern. Als sie sich von Meldis verabschiedete, versuchte sie es nochmal, aber auch Meldis konnte sich an keine Geschichten erinnern.
von Birgit P. 1. August 2024
Früher als die Menschen vom Verkauf von Wolle, Roggen und Weizen lebten, war Gerste noch zu wenig genutzt. Auch damals wurde schon von den Bauern selber gebrannt, doch mehr für den eigenen Bedarf. Das, was bei dieser Brennerei rauskam, konnte nur als ‚Fusel’ bezeichnet werden. Eines Tages änderte sich dies jedoch plötzlich. Es wird erzählt, ein Bauer sei auf seinem Feld gewesen und habe den Acker gepflügt, als sein Pflug auf etwas stieß. Ein Aufschrei erklang. Der erschreckte Bauer nahm den Pflug aus der Furche und buddelte mit den Händen an der Stelle. Etwas Buntes blitzte durch die Erde und er grub weiter. So nach und nach erkannte er, was er dort ausbuddelte und beeilte sich den Kleinen nicht entwischen zu lassen. Diese Sorge war jedoch unbegründet, da er den Kleinen mit dem Pflug am Fuß erwischt hatte und er eh nicht hätte weglaufen können. Kleine Augen sahen ihn über eine große gnubbelige Nase böse aus dem tiefen Loch an. Der Bauer erkannte, dass dieses Loch in einen Gang führte, der unter seinem Feld Richtung Wald verlief. „Es tut mir leid“, sagte der Bauer, „ich wollte Dich nicht verletzen. Lass mich Dir helfen.“ Und er streckte ihm seine Hand hin. Der kleine Mann grummelte vor sich hin, erkannte aber wohl, dass er allein nicht weiter kam und nahm, die ihm dargebotene Hand. Der Bauer zog ihn heraus und schaute sich dann den Fuß an. „Wenn Du erlaubst, würde ich Dich gern zu meiner Frau bringen, die hat in solchen Dingen mehr Geschick. Und dort bekommst Du auch etwas Warmes zu trinken.“ Versuchte der Bauer die böse Miene des Kleinen zu beschwichtigen. Dieser sagte immer noch nichts, nickte nur kurz und ließ sich ins Haus bringen. Die Frau sah sich den Fuß an, säuberte die Wunde und verband sie. Dann brühte sie Tee auf und stellte zu dem Becher mit Tee einen kleinen Becher vom Selbstgebrannten ihres Mannes dazu. „Hier“, sagte Sie „das wird Dich von innen wärmen.“ Als der kleine Mann dieses Gesöff runter geschüttet hatte und sich schüttelte, brach er endlich das Schweigen. „Bah, so was trinkt Ihr hier? Kein Wunder das die Menschen nicht alt werden, wenn sie sich mit so was vergiften.“ Der Bauer schaute betreten. „Es ist das Beste, was wir anbieten können, wir haben nicht viel und in den kalten Winternächten wärmt es. Es tut mir leid, dass es Dir nicht schmeckt.“ Der Kleine überlegte eine Weile, dann schien es, als wäre er zu einem Entschluss gekommen. „Gut, Du hast mich zwar mit Deinem Pflug verletzt, aber es tat Dir leid und Du hast Dich gut benommen. Ich werde Dich für Deine Liebenswürdigkeit entlohnen.“ Er verriet ihm ein Rezept, wie man aus Gerste ein wunderbares wärmendes Getränk braut, das sogar das Leben verlängerte. Er bat den Bauern jedes Jahr um diese Zeit nicht dieses Feld zu pflügen, sondern noch drei Tage zu warten. Die Bauersleute versprachen es und der kleine Mann verabschiedete sich. Beim Weggehen nestelte er etwas aus seiner Jacke und warf es über das Feld. Ein schwaches Glühen lief über das ganze Feld bis zur hinteren Ecke. Der Bauer und seine Frau schauten erstaunt dem Glühen hinterher und als sie wieder nach dem kleinen Mann schauten, war er verschwunden. In den darauffolgenden Jahren baute der Bauer auf diesem Feld Gerste an und die Ernte war jedes Mal reich. Er braute aus der Gerste das Wasser des Lebens, wie er es nannte und verkaufte auch etwas davon auf dem Markt. Sie mussten nie wieder darben und es ging ihnen immer gut. Im nächsten Jahr stand auf einmal der kleine Mann wieder vor der Tür, trank eine Tasse Tee mit ihnen und einen Becher des neuen Selbstgebrannten. Nach einem gemütlichen Gespräch machte er sich wieder auf den Weg. Über die Zeit freundeten sie sich an und in den folgenden Jahren erschien er immer zur gleichen Zeit. Mit der Zeit wechselten die Besitzer dieses Hofes so oft, dass man nicht mehr genau sagen kann, in wessen Besitz dieser Hof nun ist oder ob das Feld nicht verwildert ist. Das Rezept wurde bald von vielen nachgemacht, doch nie schmeckte es so gut, wie aus der Gerste von diesem Feld. Und so hofft jeder, dass sein Feld, das verzauberte Feld ist und er mit dieser Gerste das beste Wasser des Lebens macht. Der Glaube an ein längeres Leben trug das seine dazu bei.
von Peter D 29. Juli 2024
Pflanzen - die Ausgebeuteten Verlierer im Spiel des Lebens? Wir sehen, wie wichtig Pflanzen für uns sind. Sie reinigen die Atmosphäre und lagern Kohlenstoffdioxid. Und mit der Lagerung schaffen sie gleichzeitig Nahrung, Medizin, Kleidung und Energiequelle für uns. Und nicht nur für uns, auch für die Tierwelt sind Pflanzen unersetzlich. Aber was ist denn, wenn ein Mensch kommt und einen Baum fällen will? Oder wie sieht es bei einem Waldbrand aus? Oder was geschieht, wenn Insekten beginnen eine Pflanze zu fressen? Stellen wir uns mal zwei Fotos vor:
von Anna Oakflower 21. Juni 2024
Die Eichhörnchen waren ganz aufgeregt. Aufgeregter als sonst. Die Sommersonnwende stand vor der Tür und der ganze Wald war beschäftigt. Alljährlich fand um die alte Eiche in der Mitte des Waldes ein großes Fest statt und alle halfen mit. Die Glühwürmchen sorgten für die Beleuchtung, die Spinnen hingen die verschiedensten Dekorationen auf, die das ganze Jahr über gebastelt wurden. Jeder half mit, dass der längste Tag und die kürzeste Nacht zu einem unvergesslichen Ereignis wurde. Die alte Eiche stand schon seit uralter Zeit mitten im Wald. Es gab kein Tier, dass sich an eine Zeit erinnern konnte, wo sie nicht als Ruhepol ihre schützenden Zweige über den Waldboden spannte. Es wuchsen ein paar junge Bäume in ihrem Schatten, und die Sonne fand immer wieder ihren Weg zwischen den Blättern hindurch, so dass der Waldboden übersät war mit Kräutern und Waldblumen. In der Nähe war eine Senke, in der sich das Wasser sammelte und die Tiere schauten gerne vorbei, wenn sie zum Trinken kamen. Alle trafen sich unter der Eiche, und so hatte es irgendwann einmal angefangen. Keiner konnte sich erinnern wann - weder die Eule noch der Hirsch - aber jedes Jahr trafen sich alle unter der Eiche, um die kürzeste Nacht zu feiern. Und bald war es wieder so weit. Die Eichhörnchen rannten aufgeregt durch den Wald und erzählten es überall. Die jungen Dachse waren dieses Jahr besonders aufgeregt. Irgendwo her kam das Gerücht, dass Arävin auch zum Fest kommen würde. Jeder Jungdachs kannte seine Abenteuer. Ihn persönlich zu treffen und aus erster Hand zu hören, was er auf seinen Reisen erlebt hatte, wäre ein wahrgewordener Traum! Sie steckten mit ihrer Vorfreude den ganzen Wald an und auch die Eiche wurde neugierig, ob Arävin sich blicken lassen würde, und was er zu erzählen hätte. Und so kam der große Tag, die Sonne ging morgens auf und strahlte auf die Blätter der Eiche. Unter der Eiche wurde ein Festmahl aufgebaut. Die Rehe und Hasen hatten von den Wiesen um den Wald Blüten gebracht. Die Spinnen hatten gekonnt den Baum damit geschmückt. Die Eiche freute sich jedes Jahr auf diese Zeit: all die verschiedenen Düfte und Blüten! Sie konnte die ganze Welt sehen, ohne jemals ihren Wald zu verlassen! Und all die Vögel, Käfer, Insekten und Tiere, die aus dem ganzen Wald zusammenkamen, um unter ihren Ästen zu feiern! Und da kamen schon die ersten Gäste angeflogen, die Schnecken waren schon eine Weile unterwegs, um heute da zu sein und den Tag und die Nacht mitzuerleben. Die Füchse, Hasen und Igel trafen sich. Hier, unter der alten Eiche war ein besonderer Raum: Jeder achtete den anderen und es war wichtiger zusammen zu kommen und den Tag und die Nacht miteinander zu verbringen, als gegeneinander zu stehen. Da die Tiere aus den verschiedensten Richtungen im Wald zusammenkamen, war es auch immer die Zeit, um sich auszutauschen und zu hören, wie es all den Tieren in den anderen Bereichen des Waldes so erging. Der Tag verflog wie im Nu und langsam wurden alle Kinder ungeduldig. Wo war Arävin, kam er überhaupt? Die Vorbereitungen für den Abend begannen, die ersten Fledermäuse und Eulen zeigten sich, die Glühwürmchen begannen die Lichter anzumachen, aber von Arävin war noch nichts zu sehen. Zum Glück mussten die Kinder nicht ihre Eltern anbetteln, wach bleiben zu dürfen, um zu schauen, ob er nicht doch noch vorbeischaute. Denn heute, in der kürzesten Nacht unter der alten Eiche, da würde niemand früh zu Bett gehen. Morgen konnten alle schlafen, aber heute waren der Tag und die Nacht endlos. Die Eule erzählte gerade einer Schar von Zuhörern von ihrem Ausflug in den Obstgarten hinter dem Wald in die südliche Richtung – da wo es die leckersten Pfirsiche gab. (Das konnte Frau Pflaumensucherin bestätigen, sie backte die besten Pfirsichkuchen weit und breit!) Da ertönte ein Horn. Der Schall kam von hoch oben aus der Eiche und alle schauten verwundert dorthin. Die Kinder erkannten ihn zuerst und fingen an zu jubeln. Hoch oben stand ihr Held! Der Abenteurer Arävin. An seinem Gürtel hing eine runde Flasche mit einer Flüssigkeit in der Farbe des Sonnenuntergangs. Daneben hing sein besonderes Messer, mit dem er überall erkannt wurde. Und um seinen Hals hing die Kette mit dem leuchtenden Stern – dem Stern, der ihm den Weg wies, wie Arävin gerne erzählte. Frau Pflaumensucherin schüttelte nur den Kopf, so viel Dramatik für einen Auftritt! Sie hätte viel lieber die Geschichte von der Eule fertig gehört, um zu erfahren, wann die Pfirsiche dieses Jahr reif sein würden, aber jetzt wollte jeder Platz machen für Arävin und ihn mit Fragen bombardieren und von seinen Abenteuern hören. Die Kinder würden wieder für ein Jahr Geschichte zum Nachspielen, haben, soviel war klar! Arävin kletterte vom Baum herunter. Wie so ein Dachs da hochgekommen sein sollte, das war nicht jedem klar, aber bei Arävin war alles möglich. Die Abenteuer, von denen er erzählte, zerschlugen da jeden Zweifel! Dieses Mal hatte er seinen Freund dabei – Martin, das Wiesel. Die beiden waren schon als Kinder unzertrennlich gewesen und hatten zusammen von der großen Welt geträumt. Die Sonne war mittlerweile untergegangen, die Lichter waren angezündet worden und warfen ein besonderes Licht auf die Eiche. Die Eiche wusste nie so genau, was ihr liebster Teil dieses Festes war. Der Tag oder die Nacht, in der die Glühwürmchen es schafften, dass der Sternenhimmel sich unter ihrem Blätterdach zu versammeln schien. Sie kam sich immer vor, als ob sie im Weltall schwebte, eingekreist von funkelnden Sternen. Aber vielleicht war es auch einfach das ganze Fest, überlegte die Eiche. Alles gehörte zusammen. Arävin und Martin wurden begeistert begrüßt und schon bald erzählten sie von ihren Abenteuern, die sie in andere Wälder geführt hatten. Sie erzählten von den Wesen und Bäumen, denen sie dort begegnet waren. Davon, wie der Stern sie sicher auf ihrem Weg leitete. Wie sie denn wüssten, was ihr Weg sei, wollte da mutig ein junger Fuchs wissen. Arävin schaute Martin an, und Martin schaute Arävin an. Martin zuckte mit den Schultern. Da sagte Arävin: „Wenn ich Angst habe, den nächsten Schritt zu tun, dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“ – Die jungen Hasen und Rehe schauten sich mit großen Augen an. Über Angst wussten sie ganz viel. Aber Angst brachte ihnen eher bei, davonzulaufen, als weiterzugehen. Was meinte Arävin damit nur? Auch die jungen Füchse und Dachse konnten mit der Aussage von Arävin nicht so viel anfangen. Die Eule verdrehte die Augen und meinte dann, dass nur Abenteurer so verrückt seien und auf die Herausforderung zuliefen. Aber Frau Pflaumensucherin, die wusste genau wovon Arävin redete. Sie hatte häufig Angst, dass ein neues Kuchenrezept nicht so gelingen würde, wie sie dachte, aber sie probierte es trotzdem. Und häufig, wurde es der neue Lieblingskuchen, der unbedingt für das nächste Sommerfest gebacken werden musste. Manchmal brauchte es Angst, um überhaupt den ersten Schritt zu wagen. Das wusste sie nur zu gut! Vielleicht sollte sie die jungen Hasen und Rehe nächstes Jahr mit auf die Suche nach den besten Zutaten für die neueste Kuchenkreation nehmen, damit sie lernten mutig auf ihr Leben zuzugehen, während Arävin wieder in fremden Wäldern umherzog, um Kunde aus fernen Ländern mitzubringen! Das war ein schöner Gedanke, fand sie. Und die Eiche lächelte glücklich und zufrieden, dass wieder ein Jahr voller Teilen, Freundschaften und Neue Wege finden vor den Festgästen unter ihren Ästen lag. Sie freute sich auf die nächste Sommersonnwende, um zu hören, was die Wesen in ihrem Wald das kommende Jahr so alles erlebt haben würden.
von Peter D. 11. Juni 2024
Innerhalb der 300 – 400 Millionen Jahre „Versuch und Irrtum“ sind regelmäßig ganze Wälder verschwunden, begraben von Erdrutschen oder vom Meer überschwemmt. Und eingeschlossen unter Erde oder Wasser, ohne Luft und mit starkem Druck (durch das Gewicht von Erde und Wasser), haben sich diese Wälder verwandelt in Erdgas, Öl und Kohle. Auf diese Weise sind Milliarden von Tonnen CO2 aus der Atmosphäre genommen und in der Erde eingelagert worden. Sogar heute noch ist mehr CO2 in allen Bäumen/Pflanzen der Welt gelagert, als wir CO2 als Gas in der Atmosphäre frei herumschwirren haben. Aber wie genau lagern Bäume CO2: Über die Photosynthese wird aus der Atmosphäre CO2 aufgenommen und Sauerstoff (O) abgegeben. CO2 → Baum(C) → O2 anhand dieser Gleichung sehen wir, dass CO2 in den Baum hinein wandert, aber nur die O‘s (2Stück) wieder herauskommen. Das C (Kohlenstoff muss also im Baum geblieben sein) Und genauso ist es auch. Die Pflanzen behalten den Kohlenstoff und lagern diesen ein. In den Wurzeln als Stärke, in Früchten als Zucker und im Holz als Cellulose, in Blättern (aber nicht nur dort) werden sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe gelagert. Die wir zum Beispiel als Medizin oder Genusssubstanzen nutzen (z.B. THC, Vitamine, Caffee, Nikotin u.v.m.) Alle diese Stoffe bestehen aus Kohlenstoff!! Ein weiterer Punkt, wie Pflanzen unsere Erde transformiert und lebensfähig gemacht haben, ist ihr Einsatz und Einfluss als Klima-Spezialist Ein Baum kann an einem sonnigen Tag rund 200l Wasser aus der Erde ziehen. Wie er das macht, ist immer noch nicht endgültig geklärt. Große Bäume schaffen bis zu 1000l am Tag. Zum Vergleich: 1000 Liter Wasser entsprechen 8 Vollbädern 5000 x Zähneputzen 25 Duschen 20 Waschmaschinen Wie sieht es denn bei einem Wald mit vielen Bäumen aus, von denen ein durchschnittlicher Baum 200l Wasser täglich zieht? Das ist eine riesige Menge Wasser, die an einem Tag transportiert wird. Das Wasser aus dem Boden muss irgendwohin. Es sammelt sich als Feuchtigkeit über den Bäumen und im Wald selber. Die Feuchtigkeit über dem Wald beginnt, sich in Wolken zu sammeln und mit dem Wind werden die Wolken weiter in das Land getrieben, wo sie dann abregnen. So schaffen es die Wälder, große Mengen an Wasser weiter in das Land zu bringen, trockene Orte werden bewässert und so können dort neues Leben und neue Wälder entstehen. Und auch heute noch sind Wälder die Garanten für Niederschläge und unser Klima. Wenn wir diese großartige Leistung der Bäume/Natur betrachten, können wir ohne Probleme verstehen, dass unsere Ahnen Bäume als Gottheiten verehrt haben. Und wenn wir sehen, dass Bäume uns über Millionen von Jahren die Welt vorbereitet haben, können wir aus tiefstem Herzen sagen, dass wir Menschen aus den Wäldern kommen!
Weitere Beiträge
Share by: